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        75. Jahrestag des Kriegsendes am 8. Mai 1945

Am 8. Mai 1945 endete der 2. Weltkrieg. Für die vielen Millionen von Zwangsarbeiter*innen, die während der NS-Diktatur für die deutsche Wirtschaft und Industrie arbeiten mussten, bedeutete das FREIHEIT!

Stellvertretend für das Schicksal der über 17 000 Zwangsarbeiter*innen in Allendorf, stehen die Dokumente und Aussagen von André Berthet-Bondet aus Dijon, geb. am 25. August 1922 und Marika Jolsvai, geb. Desser, Jahrgang 1926.

In Allendorf war der Krieg schon Karfreitag, den 30. März 1945 vorbei. Die ausländischen Arbeitskräfte empfanden diesen Moment als Befreiung. Ein beeindruckendes Dokument hierfür ist die Stempelkarte von André Berthet-Bondet. Er war als Arbeiter in der Bombenfüllstelle A, im Schmelz- und Gießhaus Nr. 424 eingesetzt. Auf dieser Karte hat er notiert:

am nächsten Tag keine Zwangsarbeit

einige Augenblicke nach der Befreiung durch die Amerikaner

                

© Archiv DIZ

In Vorbereitung der Begegnungswoche im Oktober 1990 hatten die Frauen des ehemaligen KZ-Außenlagers Münchmühle einen Fragebogen erhalten. Darin ging es auch um die Erinnerungen an die Räumung des Lagers und die Befreiung. Marika Jolsvai, geb.Desser schrieb uns damals:

„Am 27. 03. 1945 sind wir von Allendorf evakuiert worden. Dieser Evakuierungsmarsch ist in Richtung Osten geplant worden. Er dauerte zwei Tage. Die amerikanischen Truppen, die Ami-Panzer sind viel schneller vorgestoßen als gedacht. Inzwischen war die Wache geflüchtet, und wir wurden im Raum Kassel-Fritzlar durch die US-Army befreit.“

Diese Liste ( © Arolsen Archives) dokumentiert, dass eine größere Gruppe der 1000 Frauen zunächst in Mardorf, Ortsteil von Homberg/Efze, einquartiert war, bevor sie auf weitere Orte verteilt wurden. Auch Mutter Rosa (Sandorne) Desser und ihre Töchter Maria (Marika) und Eva stehen auf dieser Liste.

Die US-Armee quartierte die drei mit 15 weiteren Frauen im Forsthaus des Dorfes Besse (Ortsteil von Edermünde) ein. Am 9. Oktober 1945 begann ihre Rückkehr in die Heimat. „ ….Nach der Erholung sind wir durch Kassel nach Ungarn (nach) Budapest, also auf die eigene Wohnungsstelle (in)Pécel (eine Kleinstadt östlich von Budapest) am 29.10.1945 angekommen.“

© Fotoarchiv DIZ

Kurz vor der Rückkehr nach Ungarn; links Mutter Rosa Desser, v.r. Marika Desser, h.r.Eva Desser

Marika Jolsvai begrüßte zur Eröffnung der Begegnungswoche am 22. Oktober 1990 ihre Leidensgefährtinnen, ihre „allerliebsten Geschwister“. Am Ende ihrer Begrüßung sagte sie:

Man muss einmal mit dem Hass aufhören. Unsere Anwesenheit soll beweisen, dass wir nicht wollen, dass je ein Mensch einen anderen demütigen kann, dass sich unser Schicksal in der Geschichte je wiederholt. Wir wollen, dass unser größter Schatz: unsere Kinder und Enkelkinder in Frieden leben!“

 

Dr. Harald Horn und der damalige Bürgermeister Manfred Vollmer bedankten sich bei Marika Jolsvai für ihr Engagement in der Begegnungswoche.

 

 

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